25 Das Vierteljahrhundert ist voll

Soundtrack: “Alegria e una cervecita fria“, Estopa
Stimmung: Cucarachakiller



Montag:
Am Abend schrubbt Jo so richtig, die Bude. Die blitzt von allen Seiten nun und kann sich morgen sehen lassen. Ja sogar die Küche strahlt und duftet im “Meister Propper - General Bergfrühlings “ Duft !

Dienstag:
Dem Jo seine Eltern springen auf nen Sprung vorbei! Er springt also in den Bully und sprintet in die Springreithochburg Jerez. Herzlich willkommen. Bis dahin alles gut. Man fährt die N-IV um sich die Autobahngebühren zu sparen und die verdorrte Landschaft zu genießen. Dann passiert das, was nie hätte passieren dürfen. Ohne Vorwarnung beginnt das Kontrolllämpchen des Kühlwassers rot zu blinken. Der erfahrene Brummifahrer weiß: Heizung an und Fuß von Gas. Doch gleichzeitig beginnen die Insassen des Wagens hinter uns mit Hupen. Das ganze Ausmaß der (globalen, jedoch lokal beschränkten) Katastrophe erschließt sich uns beim Öffnen des Motorraumes. Die Wasserpumpe hat sich verabschiedet. Besser noch, sie hat sich festgefressen... was das bedeutet ist klar: Allgemeiner Deutscher Automobilclub. Was es für Auswirkungen auf unsere weitere Zukunft haben wird, lässt sich noch nicht im Geringsten abschätzen.
Das erste, was Jos Eltern also von Andalusien sehen, ist die beeindruckende Verbindungsstraße Jerez - Sevilla. Spontan schließen wir Freundschaft mit den Toros in Uniform. Das unsere Sicherheitsweste beim letzen Einbruch auch abgezogen wurde, erkennt Jo erst jetzt. Spontan bindet er sich ein auffälliges rotes Bindeglied unseres Spaceshuttle-Zeltes um den Oberkörper. Der Ordnungshütern scheints zu gefallen. (Anm. d. Red.: Seit 3 Monaten sind Sicherheitswesten in Spanien Pflicht...) 3 ½ Stunden warten wir bis der Kollege von den Grua-Schleppern uns aufgabelt. So werden Jo + Eltern nach Sevilla geschleppt.... das Leben kann manchmal sehr grausam sein!
Den Flo, den alten Langschläfer, wecken sie mit der freudigen Überraschung. Von den Neuigkeiten nicht sonderlich erquickt, beschließt man erst mal mit ner spontanen Tapatour abzulenken. Hinzu kommt, dass die Hitze uns wieder in ihren diabolischen Klauen festhält. Der obligatorische Rundgang findet glücklicher Weise in abgespeckter Form statt, da die beiden Sevilla von früheren Welttourneereisen schon kennen. Als Jo mit seinen Eltern mim Taxi zum Maler-Kollega Antonio aufbrechen erleben die Touristen aus dem Hohen Norden wies sich so bei 46 C - im Schatten - anfühlt. Der Maestro empfängt die alten Freunde herzlich. Gerade hatte er ein Treffen mit einem Bischof ausm Vatikan. Der will seine Bilder bei einer Schau zur Schau stellen.
Den Abend verbringt man gemeinsam mit Espaniolen und neuen Sprachschulkollegas im Serranito. Unser Homie-Camarero hat unsern Raubgräber doch tatsächlich in ner Revista in Nahaufnahme erspäht. Freundlich bittet er ihn um ein Autogramm.

Mittwoch:
Der zweite und letzte Tag der anstrengenden und ereignisreichen Reise der Birlinghof-Connection wird nach original sevillanischem Frühstück ins Barrio Santa Cruz verlegt. Allerlei Nippes, wie zum Beispiel der Plaza de Toros als Aschenbecher, und brauchbares für die Abstellkammer findet sich beim lokalen Azulejosverleger. Auch unser Lieblingsgetränk der schmackhafte Rebujito wird in einer schönen Karaffe gereicht. Da den beiden das Serranito so vorzüglich geschmeckt hat, speisen wir erneut dort. Ein wenig Wehmut kommt auf, als wir die heiligen Hallen der Carboneria betreten. In schönen Erinnerungen versunken, genießen wir bei Bier, Cervecita und Wein die nächtlichen Stunden. Lang wird's aber nit, da der Autobus nach Jerez um 6.00 Uhr geht. Dafür kann Jo ausschlafen. Es gibt sie also noch, die seltenen Lichtblicke ohne Karre!

Donnerstag:
Weil wir kein Auto mehr haben, müssen wir uns statt dem Strand auf ein Dorffreibad beschränken. Dorthin fährt man mit öffentlichen Bussen (statt unserem privaten). Das Schwimmbad ist korrekt, wir schließen schnell Freundschaft mit der Dorfjugend und hören uns ersatzweise Meeresrauschen auf CD an. Auch nicht schlecht. Abends Filmmarathon: Vier Stunden Herr der Ringe die Dritte im Open Air-Kino.

Freitag:
Bei unserem täglichen Gang zum Aldi werden wir von Schleppern gefragt, ob wir auf einen Touristennepp eingehen wollen. Aufgebracht darüber, dass wir für dahergelaufene Touristen gehalten werden, lehnen wir dies nach kurzem Überlegen energisch ab. Außerdem schält sich Flo krass aus seiner ursprünglichen Umgebungshaut. Die Ärzte melden sich mit einer guten Nachricht. Aufgrund eines irgendwo im Nahen Osten aufgetriebenen Spenderorgans konnte das Leben unseres Kindes gerettet werden! Es befindet sich nun in der ReHa-Klinik und wird mit vollsynthetischem Motoröl verwöhnt. Am Montag dürfen wir es wieder in unsere Arme schließen. Wenn wir genug Bestechungsgeld dabei haben... Die Nacht hauen wir uns zusammen mit Alfonso und den anderen Kollegas um die Ohren.

Samstag:
Heute könnte ein Sonntag sein. Nix.

Sonntag:
Heute ist ein Sonntag: Also Nix was euch was angeht!